Weltgebetstag von den Philippinen: Was ist denn fair", in der Stadtkirche Waldeck

Mit einem herzlichen „Mabuhay“ wurden die GottesdienstbesucherInnen in der Stadtkirche Waldeck zum Weltgebetstag empfangen. Diese Begrüßung bedeutet in der philippinischen Nationalsprache Tagalog „Willkommen“ und „Hab ein langes Leben“ oder auch nur einfach „Zum Wohl“ oder „Hurra“. Diese Begrüßung war schon eine schöne Einstimmung auf den Gottesdienst, dessen Gottesdienstordnung in diesem Jahr von Frauen aus den Philippinen, erarbeitet wurde.

„Was ist denn fair?“ Diese Frage hat sie ganz besonders beschäftigt. Der ungleich verteilte Wohlstand auf unserer Erde, aber auch ganz besonders auf den Philippinen. Mit ihren über 7000 Inseln sind die Philippinen ein Land der Extreme: bekannt für seine Naturschönheiten und Weltkulturerbstätten, wie zum Beispiel den Reisterrassen von Banaue und seinen Urlaubszentren mit Wohlstand im Überfluss auf der einen Seite und seinen Naturgewalten mit Taifunen und damit verbundenen Zerstörungen auf der anderen Seite. Viele Menschen, viele Familien, viele Frauen mit ihren Kindern kämpfen um ihr Überleben. Sind auf der Suche nach Arbeit und Essen. Ihre Kraftquelle ist ihre Solidarität. Dabei wäre dieses Leid nicht nötig. Sind doch Hilfsgelder der internationalen Gemeinschaft in Milliardenhöhe ins Land geflossen. Ist das fair? Mit ihrem Liedruf „Sigaw! Sigaw!“, rufen sie Gott an und fragen ihn, ob er den Schrei seines Volkes nach Frieden und Schutz der Erde gehört hat. Alle Ausreden dafür, warum die Hilfe nicht kommt, gehen aus und die Welt muss ihr Versagen eingestehen. Gottes Ruf nach Gerechtigkeit fordert eine Antwort.

Auf den Philippinen ist es üblich, beim Pflanzen und Ernten von Reis die Nachbarschaft um Hilfe zu bitten. Niemand wird dafür bezahlt, aber alle bekommen etwas von der Ernte. Diese Tradition wird Dagyaw (ausgesprochen Dagjau) genannt. Dieser Umgang miteinander fördert eine gute Gemeinschaft und stärkt das Mitgefühl und die Sorge füreinander. Daher ist die Erntezeit auf den Philippinen eine Zeit der Fülle und eine Zeit zum Feiern. Die Früchte der Gerechtigkeit nähren ihre Hoffnung und stärken ihr Engagement. Sie nennen es ihre Selbstverpflichtung zur Solidarität. Mit Liedern und Texten ist es den philippinischen Frauen gelungen ihr Leben, ihre Nöte, ihre Ängste, ihre Wünsche nach einem gerechten und friedlichen Miteinander in die Welt zu tragen.

Ein Dankeschön auch an die Frauen, die für einen kleinen Imbiss mit philippinischen Köstlichkeiten im Nachgang zum Gottesdienst für ein gutes Miteinander gesorgt haben. Morgen gibt es bei uns eine Reissuppe und ich freue mich schon darauf, die mitgebrachten Reiskörner aus dem Gottesdienst mit in dieser Suppe zu kochen. Dieses Geschenk, überreicht von Christinnen aus Waldeck, war symbolisch eine schöne Gabe von den philippinischen Frauen. Danke für diesen Gottesdienst.

Text und Fotos: Petra Engelhard-Schmidt

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