Aus vier mach drei - aus drei mach zwei!

Auf der Sitzung der Gesamtverbandsvertretung am 28.09.2016 vorgetragen von Pfarrer Til Follmann

Drei kleine Pfarrer gingen zur Landeskirch‘. Sprach der Rat zum Sepp: „Pension, mach jetzt frei!“ Der war traurig, ging dann weg. Da waren‘s nur noch zwei!
Solche Lieder kennen wir, es sind Lieder vom Schwund! Leider auch in unserer Landeskirche bittere Realität.

Die Zahl der Kirchensteuerzahler geht in erster Linie durch Sterberaten und Abwanderung, dann durch Kirchenaustritte zurück. Die Mitgliederzahl unserer Landeskirche sinkt. Das bedeutet, dass die finanziellen Mittel unserer Landeskirche sinken. Dazu gibt es immer weniger Menschen, die bereit sind, Theologie zu studieren. Um Finanzen und Stellen zu sparen wurden Kirchenkreise und Dekanate fusioniert, Gemeinden zusammengelegt, Kirchspiele vergrößert und in der Folge wurden Pfarrstellen gestrichen, im Landeskirchenamt ganze Arbeitsbereiche und Referate zusammengelegt, Referen-tenstellen abgebaut.

Das Kirchspiel Waldeck hat nach der alten Messzahlenberechnung eine Messzahl von 113, die Gemeinde Sachsenhausen 91 und das Kirchspiel Freienhagen nunmehr die Messzahl 52. Das Kirchspiel Niederwerbe hat die Messzahl 79.

Nach den Beschlüssen der letzten Periode der Landessynoden von Kurhessen Waldeck sind die Bemessungszahlen verändert worden. Diese werden nur noch nach Gemeindegliederzahl und Fläche berechnet. Gottesdienste und Amtshandlungen fallen bei der Berechnung weg! Auch Zusatzaufträge spielen keine anrechenbare Rolle mehr. Unser Gesamtverband hat mit dem Stand vom 18.05.2016 noch 4240 Gemeindeglieder. Ein Pfarrer soll nach den Beschlüssen der Landessynode in näherer Zukunft 1700 Gemeindeglieder haben. Dieser Beschluss soll nachgebessert werden. Mindestens bis zum Jahre 2026 sollte jeder Pfarrer dann 2000 Gemeindemitglieder haben. Wenn wir nun den Dividenden 4240 durch den Divisor 1700 teilen, ergibt das 2 ½ Pfarrstellen als Quotienten. Wenn wir den Divisor 2000 einsetzten, ergibt das dann nur noch 2 Pfarrstellen. Dabei ist natürlich der Dividend 4240 unrealistisch, denn die Gemeindegliederzahl 4240 bleibt ja nicht so! Wir müssen auch die Sterberate, die Abgänge durch Umzüge und die Kirchenaustritte mit einbeziehen. Die Landesssynode hat, um diese Situation zu steuern, beschlossen Kooperationsräume zu bilden - in unserem Fall heißt das: Zusammenarbeit unseres Gesamtverbandes mit den Gemeinden der Kommune Vöhl. Diese Kooperationsräume sollen minimal 5 Pfarrstellen mit einer halben Assistenzstelle betragen. Was ist eine Assistenzstelle? Eine Assistenzstelle soll die Pfarrer bei der Verwaltung (Kirchenbücher, Bausachen usw.) unterstützen, damit diese bei immer größeren Flächen und immer weiter verstreut lebenden Gemeindemitgliedern noch Gottesdienste, Amtshandlungen und Seelsorge vorhalten können.

Im Grunde bedeutet das immer weniger Pfarrer bei immer größeren Flächen, damit die Pfarrer auch die angestrebte Gemeindemitgliederzahl (1700 bis 2000) betreuen können (Ende Vortrag).

Was kann das für uns bedeuten?
Am 21. und 22. September haben sich die Pfarrer des möglichen Kooperationsraumes Waldeck - Vöhl, Pfarrer Matthias Brinkmann, Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg, Pfarrer Til Anders Follmann, Dekanin Petra Hegmann, Pfarrer Kurt Heyer, Pfarrer Werner Hohmeister, Pfarrerehepaar Heidi und Wolfgang Houska, mit dem Gemeindeberater und Strukturspezialisten Pfarrer Dr. Ulf Hebel im Seminarzentrum Asel getroffen. Wir wollten mögliche Konsequenzen der Beschlüsse der Landes– und Kreissynoden, und sich daraus ergebende Modelle ergebnisoffen bedenken. Dabei standen die Hauptarbeitsbereiche Verkündigung (Gottesdienste), Seelsorge (Besuche, Krankenbesuche, Sterbebegleitung), Unterricht (Konfirmanden und Schule), Amtshandlungen (Taufen, Trauungen, Beerdigungen) und Gemeindeleitung (KV-Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit), für die Pfarrer im Vordergrund der Überlegungen.

Beim Austausch wurde darüber nachgedacht, dass bei besonderen Gottesdiensten, die sich gemeinsam feiern lassen, Parallelstrukturen vermieden werden sollten, um sich gegenseitig zu entlasten. Angesichts sinkender Gottesdienstbesuchszahlen wurde geäußert, ob immer die für den Kooperationsraum sehr hohe Gottesdienstzahl vorzuhalten sei, und ob dabei nicht stärker auf die Lektorendienste, Prädikanten und Ehrenamtliche zurückgegriffen werden muss. Für 8750 Gemeindemitglieder, aus dem Beritt Waldeck und Vöhl, werden immerhin 17,5 Gottesdienste pro Sonntag, bei schwindendem Personal gehalten. Schwindend? Die Besetzung der Pfarrstelle Freienhagen ist fraglich.

Weniger ist mehr gelte unter den gegebenen Umständen, auch für den Konfirmandenunterricht, den man zusammen legen könne. Es sei unter Umständen nicht arbeitsökonomisch, dass zwei bis drei verschiedene Konfirmandenmodelle und Gruppen gefahren werden, wenn man sich gegenseitig entlasten will. Die Pfarrer könnten im Wechsel für die jeweilige Konfirmandengruppe des Kooperationsraumes
zuständig sein. Es müsse ein Modell ausgearbeitet werden, dass die Pfarrer dann wechselseitig ausführen könnten. Beispiel: Ein Pfarrer könnte 1 ½ Jahre Konfirmandenarbeit machen und der andere Seelsorge, bis dieser dann wieder die nächste Konfirmandengruppe übernimmt.

Ähnliches gelte für Gemeindebesuche. Besuchsdienstkreise könnten gegründet werden, um die Pfarrer und sich gegenseitig zu entlasten. Der Pfarrer wäre dann über dringende Besuche zu informieren.
Den Aufgabenbereichen Kasualien (Taufen, Trauungen und Beerdigungen) und Gemeindeleitung, kommt eine immer höhere Bedeutung zu. Unter den Stichworten Subsidiarität, Engagement, Ortskenntnis und Identität sprachen sich Herr Hebel und die anwesenden Kollegen überwiegend für den KV vor Ort, gerade bei kleinen Gemeinden aus. Überproportionale Zentralisierung ginge auf Kosten der Identität und des Engagements. Die Pfarrer und Kirchenvorstände sollten sich darüber klar werden, wo die Arbeitsschwerpunkte der Kooperation zu setzen wären.

Als Ausblick ließe sich festhalten, dass wir zunächst im Kooperationsraum Waldeck – Vöhl das Besprochene ausprobieren und in der Gesamtverbandsvertretung und den Kirchenvorständen besprechen
wollen.

Bericht u. Fotos Pfarrer Til Anders Follmann


 

Tageslosung

Tageslosung vom 21.10.2017
Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.
Jesus sprach zu der kranken Frau: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!

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